Geschichte

Die Gründerin des Bayerischen Mütterdienstes Dr. Antonie Nopitsch, Foto: privat
Leiterin der Steiner Bibelschule ab 1946: Vikarin Maria Weigle, Foto: privat
Nachfolgerin von A. Nopitsch als Leiterin des Mütterdienstes: Lieselotte Nold, Foto: privat

Vom Bayerischen Mütterdienst zum FrauenWerk Stein

Am 29.3.1933 beschlossen die evangelischen Frauenverbände in Bayern die Gründung einer „Mütterhilfe“. Nach dem Vorbild der schlesischen Frauenhilfe sollten erschöpfte Mütter in Evangelische Erholungsheime geschickt werden, um sich dort auszuruhen und neue Kraft für ihren anstrengenden Alltag zu gewinnen. Außerdem sollten Frauen bei Gemeindeabenden in Fragen von Hauswirtschaft und Erziehung unterrichtet werden, um ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter zu unterstützen. Hinter dieser Initiative stand Dr. Antonie Nopitsch. Die promovierte Nationalökonomin hatte wegen Einsparungen ihre Stelle als Lehrerin in der Ausbildung  evangelischer Fürsorgerinnen verloren und beschlossen, diese Idee von sinnvoller Präventionsarbeit zur Stärkung von Frauen und Familien auch in Bayern zu realisieren.

Keimzelle des Deutschen Müttergenesungswerks

Schnell fand die Idee Unterstützung. Sowohl öffentliche Stellen als auch die evangelische Kirche sahen hier eine Möglichkeit, der neuen sozialpolitischen Aufmerksamkeit für Mütter eine sinnvolle Gestalt zu geben. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich der Bayerische Mütterdienst mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, der Hunderte von Müttern zur Erholung schickte und in ganz Bayern „Mütterschulungs-Kurse“ abhielt. Zur Unterstützung wurden in den evangelischen Kirchengemeinden Mütterdienstbeauftragte, meist die Pfarrfrauen, benannt, die als Kontaktnetz fungierten. Schnell zeigte sich, dass die erschöpften Frauen in den Erholungszeiten wenig mit sich anzufangen wussten. Daraufhin wurde ein „Kurkonzept“ entwickelt und Kurleiterinnen ausgebildet. Diese Arbeit fand 1950 im Deutschen Müttergenesungswerk eine Verankerung in der deutschen Wohlfahrtspflege und öffentliche Anerkennung.

Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Regime

Die Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Einrichtungen  wie der NSV(Volkswohlfahrt) und der NSF (Frauenschaft) waren nicht von langer Dauer: Die Nationalsozialisten sahen die Mütterhilfe als Chance, bisher unpolitische Frauen zu erreichen und zu beeinflussen und verboten die kirchliche Mütterschulung. Nopitsch und ihre Mitarbeiterinnen reagierten darauf mit einer Konzentration auf christliche Fragen. Aus Mütterschulung wurden Frauenbibelkreise, die der Stärkung der eigenen Urteilskraft und der spirituellen Begleitung in Zeiten von Krieg und Kirchenkampf dienten. Zur Finanzierung der Arbeit entwickelte Nopitsch eigene Publikationen, z.B. einen „Mutterkalender“ (heute Frauenkalender) und eine eigene Frauenzeitschrift. Trotz massiver Einschränkung und 1945 der Zerstörung des Büros im Pfarramt von St. Lorenz in der Nürnberger Bombennacht überstand das Werk den Zweiten Weltkrieg und widmete sich nach Kriegsende der Unterstützung der vielen Flüchtlinge, die nach Bayern  gekommen waren. Mütterabende in Flüchtlingslagern, Erholungsmaßnahmen für die völlig erschöpften Frauen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden kreiert. Die Frauenarbeit wurde politischer, Noptisch wurde Mitglied in zahlreichen kirchlichen und sozialpolitischen Gremien.

Der Weltgebetstag

Durch Kontakte zur Frauenarbeit weltweit brachte Antonie Nopitsch den Weltgebetstag nach Deutschland, der seit 1949 jeden ersten Freitag im März auch in Deutschland gefeiert wird. Das Werk fand eine neue Zentrale in Stein, wo es auf einem Grundstück über der Rednitz ein Erholungsheim und ein Tagungshaus eröffnen konnte, in dem auch die Ausbildung für Gemeindehelferinnen ihr Zuhause fand. Seit 75 Jahren ist das Werk, das sich 2002 in FrauenWerk Stein umbenannt hat, ein Ort, in dem Frauen – und seit den 60er Jahren auch Männer –durch Müttergenesung, Familienbildung und kirchliche Frauenarbeit in ihrem Leben in Familien und als Frauen und Männer in Kirche und Gesellschaft gestärkt werden.

Autorin: Prof. i.K. Dr. theol. Beate Hofmann, Evangelische Hochschule Nürnberg 2008

Kontakt

FrauenWerk Stein e.V.
in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern

Deutenbacher Str. 1
90547 Stein

Telefon: 0911/6806-0
Telefax: 0911/6806-177
 info@frauenwerk-stein.de

Weitere Informationen

Ausführlich können Sie die Entstehung und Entwicklung des FrauenWerks Stein in untenstehenden historischen Überblick nachlesen.
Wichtige Hinweise enthalten die Kurzbiografien von Antonie Nopitsch, Maria Weigle und Lieselotte Nold.